Meine Zukunft

Ich habe heute ein inkomplettes sensomotorisches Querschnittssyndrom mit spastischer Tonuserhöhung der unteren Extremitäten und eine Insuffizienz der Beckenaufrichtung sowie eine Hinterstrangataxie. Meine beiden Beine sind ab der Hüfte abwärts taub. Wie eingeschlafen ... Ich bekomme keinerlei Rückmeldung aus den Beinen. Wenn ich keine visuelle Kontrolle habe, weiß ich nicht, was da unten geschieht. Jede Bewegung führe ich bewusst aus, nichts funktioniert mehr automatisch.

Trotzdem geht es mir gut. Ich kann ohne Gehhilfen laufen und arbeite Vollzeit im Innendienst. An meine vorherige Tätigkeit als Gruppenführer beim USK ist jedoch nicht mehr zu denken. Ich bin nicht mehr uneingeschränkt polizeidiensttauglich sondern wurde als „eingeschränkt verwendungsfähig“ eingestuft. Aus diesem Grund kann ich derzeit im Polizeidienst nicht in den gehobenen Dienst aufsteigen, habe also keinerlei Karrieremöglichkeiten mehr.

Ich habe gelernt, welch kostbares Gut die Gesundheit ist und habe mich zurück ins aktive Leben gekämpft.

Laut den Ärzten ist der Radsport zur Erhaltung meiner Fitness und Verbesserung meines Gesundheitszustandes bestens geeignet.

Da meine berufliche Zukunft ungewiss ist, habe ich mir sportliche Ziele gesetzt.

Ende 2012 nahm ich Kontakt mit dem Bayerischen Behindertensportverband auf und fuhr 2013 bereits die ersten nationalen Rennen im Radsport Paracycling. Bald schon gehörte ich dem bayerischen Landeskader an. Ende 2013 hatte ich zum ersten Mal Kontakt zum Bundestrainer, welcher mich im Frühjahr 2014 mit zum Trainingslager der Nationalmannschaft nach Mallorca nahm. Im Sommer 2014 nominierte mich der Bundestrainer für die Weltmeisterschaft in Greenville USA.

Nach der Teilnahme bei der Straßen WM 2014 startete ich nach erfolgten Qualifikationen 2015 auch bei der Bahn WM in Apeldoorn / Niederlande für Deutschland, sowie bei der Bahn WM 2016 in Montichiari / Italien für Deutschland.

Von der Bayerischen Polizei wurde ich mittlerweile als Spitzensportler anerkannt und werde entsprechend gefördert. Der BVS Bayern hat mich in das „Talent Team Rio 2016“ aufgenommen.

Unabhängig von meinem weiteren beruflichen Werdegang ist es mein Ziel im Radsport Erfolg zu haben und ein fester Bestandteil des deutschen Bundeskaders werden.

Ferner möchte auch international im Radsport erfolgreich werden und zeigen, dass man trotz körperlicher Behinderung ein aktives, gesundes, erfolgreiches Leben führen kann. Des Weiteren halte ich Vorträge und gebe persönliches Coaching in den Bereichen Motivation, Gesundheit, Ernährung, allgemeine Lebensführung. Darüber hinaus mache ich ein Fernstudium zum Ernährungsberater.


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